21.08.2017

Das "Goldene Buch" des Landkreises wird 50

Das "Goldene Buch" des Landkreises wird 50Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen

Der Stellvertretende Landrat Alois Rauscher (li.) und Nicole Rohleder präsentieren die Eintragung anlässlich der erweiterten CSU-Parteiausschusssitzung aus dem Jahr 1982. Zu diesem Zeitpunkt war Strauß bereits vier Jahre Bayerischer Ministerpräsident.

Pressegespräch mit dem stellvertretenden Landrat Alois Rauscher

 

  • Das aufwändig gestaltete Buch bietet Einblicke in die bewegte und interessante Geschichte des alten und des neuen Landkreises.
  • Neben künstlerisch hochwertigen Verzierungen und historisch bedeutsamen  Momentaufnahmen finden sich auch bemerkenswerte und kuriose Details.

 

Es ist über einen halben Meter lang, einen knappen halben Meter breit, steckt voller Geschichte – und voller Geschichten: Das „Goldene Buch des Landkreises Neuburg an der Donau“. Dieser Titel ist auf dem  schweinsledernen Einband eingeprägt und keineswegs ein Fehler, sondern historisch bedingt und durchaus korrekt. Das Buch wurde seinerzeit für den Altlandkreis Neuburg an der Donau gefertigt und nach dem Zusammenschluss für den neu entstandenen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen weitergeführt. Nun neigt sich seine Zeit dem Ende zu, noch ein letzter Eintrag hat darin Platz. Bei einem Pressetermin mit dem stellvertretenden Landrat Alois Rauscher stand das Goldene Buch daher am vergangenen Donnerstag im Mittelpunkt und bot interessante Einblicke in die Landkreisgeschichte.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Die Bilder des unbekannten Künstlers sind so detailgetreu, dass man bei einigen den Eindruck gewinnen könnte, es handle sich um Fotografien.Schon handwerklich und künstlerisch betrachtet ist das Buch ein Kleinod. So sind zum Beispiel das Vorwort des damaligen Landrates Hanns Wolf und die Geschichte des Landkreises auf rund einhundert Seiten von Hand niedergeschrieben, die Überschriften wurden kalligraphisch gestaltet und auf zahlreichen Seiten finden sich aufwändige und detailgetreue Aquarelle von Ortsteilen, Gebäuden, archäologischen Funden und ähnlichem. Wem diese kleinen Kunstwerke zuzuschreiben sind, ist leider unklar – der Künstler wird nirgendwo namentlich genannt und hat seine Arbeiten auch nicht signiert. Bekannt ist dagegen, wer die aufwändige Gestaltung des Buches ermöglicht hat. Zahlreiche im damaligen Landkreis ansässige Unternehmen sind für die Kosten aufgekommen. Wer genau sich beteiligt hat, ist auf den letzten Seiten des Buches nachzulesen. Dort findet sich neben einem kurzen Firmenportrait zu jedem Unternehmen auch eine kleine Malerei. Vermutlich ist der Urheber derselbe Künstler, der schon die Einleitung bebildert hat. Leider ist sein Name auch auf diesen letzten Seiten nicht festgehalten.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Franz-Josef Strauß war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die sich im Goldenen Buch verewigt haben.An anderer Stelle finden sich in dem Buch dafür umso reichlicher Namen. Den ersten Eintrag unterzeichneten unter anderem der damalige Bayerische Innenminister Bruno Merk und der Landtagsabgeordnete Rudolf Roßkopf anlässlich der Einweihung des Kreiskrankenhauses in Rain am Lech am 26. Oktober 1967. Auf den folgenden Seiten finden sich Unterschriften von Franz Josef Strauß – einmal noch aus der Zeit, bevor er bayerischer Ministerpräsident wurde, von Dr. Edmund Stoiber, Dr. Günter Beckstein und Horst Seehofer, dem damaligen baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth, dem ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske und viele andere mehr. Eine Seite in dem Buch war auch für den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens vorgesehen. Er wollte am 27. März 1981 den Landkreis besuchen, erkrankte dann aber und musste kurzfristig absagen. An der vorgesehenen Stelle im Goldenen Buch wurde eine entsprechende Erklärung für die fehlende Unterschrift vermerkt.

 

 

Wer und was im Goldenen Buch verewigt wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Neben Besuchen hochrangiger Würdenträger und Ehrungen für besondere Verdienste finden sich vor allem solche Anlässe, die für den Landkreis – den alten wie den neuen – von herausgehobener Bedeutung waren: Das erste Kontaktgespräch der „Partner von Morgen“, also zwischen Vertretern der beiden Altlandkreise am 26. November 1971, die Einweihung des heutigen Landratsamtsgebäudes am 6. April 1984, die Landkreisjubiläen, die Einweihung des Geriatriezentrums u.ä. Einen ganz aktuellem Bezug hat der zweite Eintrag: Die Einweihung der Donaubrücke in Bertoldsheim am 26. Mai 1968. „Die Geschichte wiederholt sich“, so Rauscher schmunzelnd. Aber auch bei Gelegenheiten, die heute eher kurios erscheinen, wurde das Goldene Buch bemüht: So haben beim Betriebsausflug der Bayerischen Staatskanzlei am 24. April 1974 der damalige Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel und sein gesamtes Gefolge unterzeichnet.

 

Bei genauem Hinsehen finden sich viele weitere Details, die dem Buch zusammen mit der darin dokumentierten Geschichte einen besonderen Charakter verleihen. Eine persönliche Widmung hier, eine kleine Zeichnung dort, eine Briefmarke mit dem Konterfei des Unterzeichners, einmal ein etwas pietätslos  mit „Tipp-Ex“ ausgebesserter Fehler. Wenn man, so wie Landratsstellvertreter Alois Rauscher, einen Teil dieser Geschichte selbst miterlebt hat, dann wird sie lebendig. Anekdoten zu den Besuchern, Entscheidungen, die anlässlich oder am Rande der eingetragenen Veranstaltungen  wurden, oder die Antwort auf die Frage, warum bei nahezu allen Gelegenheiten immer wieder eine ganz besondere Unterschrift auftaucht machen aus dem „dicken Wälzer“ nicht die zunächst vermutete schwere Kost, sondern eine spannende und kurzweilige Lektüre.

 

Der würdige Nachfolger des alten Goldenen Buches ist schon einsatzbereit. Für zukünftige Anlässe wurde ein im Format ähnliches Buch in etwas schlichterer Ausführung angefertigt. Auch hier findet sich eine kurze Einleitung zum Landkreis, zu seiner Geschichte, seinem Wappen und seinen Naturräumen und Landschaften. Die Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises werden ebenfalls wieder einzeln vorgestellt. Auf die Einprägung des Landkreisnamens auf dem Buchdeckel wurde diesmal jedoch verzichtet. „Wir möchten es zeitlos halten“, so Nicole Rohleder, in deren Obhut sich das Goldene Buch befindet.

 

Was mit dem alten Buch geschehen wird, wenn es auch die letzte Seite gefüllt ist, darüber ist noch nicht entschieden. „Zum nur in den Schrank legen ist es viel zu schade“, bemerkt Rauscher. „Wir werden es in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Als erster Schritt ist eine Digitalisierung des Buches angedacht. Ob es auch in einem öffentlichen Bereich im Landratsamt ausgestellt werden kann, muss noch geprüft werden. „Uns wurde auf jeden Fall empfohlen das Buch liegend zu lagern“, erläutert Nicole Rohleder. „Unklar ist bislang noch, inwieweit das Buch vor Licht geschützt werden muss, um Papier, Bindung, Farben nicht zu beschädigen. Für den Anfang bekommt es aber erst einmal eine anständige Buchkassette.“ Eines steht nach diesem Termin für alle Anwesenden unbedingt fest: Dieses Buch muss auch für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Das Grossansicht in neuem Fenster: Das Grossansicht in neuem Fenster: Das

Im Oktober wird es 50 Jahre alt -

das Goldene Buch des Landkreises.

Auf den ersten einhundert Seiten ist in

feinsäuberlicher Schrift, vermutlich von Hand,

die Geschichte des alten Landkreises niedergelegt.

Der historische Markt von Rain hat sich

seit Entstehung des Bildes nur unwesentlich verändert.

Die Stadt gehört seit 1972 zum Landkreis Donau-Ries

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