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      Geologie des Paartals

      von Prof. Ulrich Wieczorek

Von der Quelle bis zur Mündung durchfließt die Paar vier Landschaftseinheiten. Sie entspringt im während der Eiszeiten aufgeschütteten Endmoränengürtel des Ammerseegletschers. Bei Mering erreicht sie die Schotterfluren des weiten Lechtales, die während der letzten Kaltzeit, der Würmkaltzeit, zur Ablagerung kamen. Sie mündet jedoch nicht in den Lech, sondern verlässt bei Ottmaring das Lechtal unvermittelt mit einem scharfen Knick nach Osten. Dort endet auch ihr Oberlauf. Der längste Abschnitt der Paar liegt im Donau-Isar-Hügelland. Die dort zu findenden Kiese, Sande, Schluffe sind vor 6 bis 18 Millionen Jahren, im Obermiozän (dem vorletzten Abschnitt des Tertiär) entstanden. Das hügelige Relief wurde erst viel später während des Eiszeitalters herausgebildet. Bei Reichertshofen erreicht sie das Ingolstädter Becken, in dem sich das Donautal auf über 15 Kilometer Breite aufweitet. Ursprünglich gegenüber von Großmehring in die Donau mündend, wird sie heute aufgrund der Regulierungsmaßnahmen mit Ilm und Abens zusammengefasst bis Eining geführt und erst dort in die Donau geleitet.

Der durch das Donau-Isar-Hügelland und das Donautal führende Abschnitt der Paar hatte bis in die späte Würmkaltzeit seine Quelle bei Ottmaring. Der letzte Wassersche-idenrücken südwestlich dieses Ortes wurde erst am Ende der Würmkaltzeit oder sogar noch etwas später niedergelegt, entweder durch den Lech, der zwischen Schloss Mergenthau und Friedberg den Talhang erodierte, oder durch Rückverlegung der Paarquelle durch zurückschreitende Unterschneidung des Talschlusses durch den Quellaustritt. Nach der Niederlegung des Wasserscheidenrückens erfolgte dann die Anzapfung der oberen Paar, deren Unterlauf bis dahin die Friedberger Ach war, die nach Norden parallel zum Lech entwässert und erst bei Rain in diesen mündet. Das Durchbruchstal der Paar bei Ottmaring ist nicht älter als 10 000 Jahre, und daher hebt es sich durch seine Enge markant vom übrigen Charakter des Paartales im Donau-Isar-Hügelland ab.

Im Donau-Isar-Hügelland verläuft das Paartal überwiegend von Südwesten nach Nordosten, und zwar parallel zu Grenzen, an der sich das anstehende Lockermaterial hinsichtlich seiner Zusammensetzung ändert. Noch vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren lag die Quelle der Paar weit unterhalb der heutigen Anzapfungsstelle. Das Tal war sehr weit und wenig eingetieft. Davon zeugen noch ausgedehnte Verebnungen einige Zehner von Metern oberhalb der heutigen Talaue, welche Reste alter Talniveaus sind. Zwischen Aichach und Manching verläuft die Paar in einem Gebiet, welches durch Schluffe, Sande und feine Kiese charakterisiert ist. Nach Norden zu schließt sich eine Zone feinerer Ablagerungen, nach Süden zu eine Zone an, in der grobkörnigere Kiese zunehmen.

Tertiärablagerungen im Bereich des mittleren Paartales: L1: überwiegend Sande und Schluffe, L2 Sande, Schluffe, feine Kiese, L3: Sande, Schluffe, gröbere Kiese, L4/L5: Sande, Schluffe, feine Kiese

Diese Unterschiede sind auf die Ablagerungsbedingungen während des Obermiozän zurückzuführen. Ein nach Westen zu einem Meeresarm entwässerndes Fluss-System schuf zu dieser Zeit in einem zwischen der heutigen Fränkischen und Schwäbischen Alb und den sich heraushebenden Alpen entstandenen Becken zunächst in geringer Meereshöhe eine Landschaft, die sich wohl am besten mit der heutigen Poebene vergleichen lässt. Das Becken ist während seiner Auffüllung laufend eingesunken, im Bereich der von West nach Ost verlaufenden Beckenachse stärker als in den randlichen Bereichen. Je jünger die Ablagerungen in dem Becken, um so mehr kamen sie im Bereich der Beckenmitte zur Ablagerung, der heute am Südrand des Donau-Isar-Hügellandes liegt, etwa in der Linie Fürstenfeldbruck-Dachau-Erding. Im Bereich des mittleren Paartales werden die Tertiärablagerungen von Norden nach Süden daher immer jünger.

Vor 17 bis 18 Mio Jahren prägten in unserem Gebiet träge, nach Westen fließende Tieflandflüsse und verlandende Seen das Landschaftsbild in einer Ebene mit geringer Meereshöhe. Es kam Feinmaterial, vorwiegend Sand und Schluff zur Ablagerung, welches man im Gebiet L1 (Karte) findet (L=Lithozone). In der Folge höhten Verstärkung der Schüttung von den Alpen das Gebiet auf. Größere Strömungsgeschwindigkeiten der Flüsse führten dazu, dass auch gröberes Material (Schotter) abgelagert wurde. Teilweise wurden die älteren feineren Ablagerungen wieder abgetragen und in Gebieten mit geringer Strömung abgesetzt (Gebiet L2). Liegen diese Ablagerungen heute an der Oberfläche, bilden sie die ideale Voraussetzung für die Anlage von Spargelfeldern.

Durch Bewegungen der Erdkruste gelangten die Ablagerungen dieses Gebietes in eine höhere Lage und wurden zum Teil durch Flüsse abgetragen, in den immer mehr einsinkenden zentralen Teil des Beckens verfrachtet und mit gröberen Schottern aus den Alpen vermischt. So entstanden vor etwa 12 bis 14 Millionen Jahren die verhältnismäßig groben Ablagerungen, die man im Gebiet L3 findet. In der Folge verstärkte sich die Schüttung aus den Alpen noch einmal kräftig. Es entstanden vor 9,5 bis 12 Millionen Jahren die Ablagerungen, die man im Gebiet L4/L5 findet. Die groben Gerölle wurden jedoch schon in der Nähe der Alpen abgesetzt. Im Gebiet des oberen Mittellaufs der Paar sind die Gerölle nur noch daumengroß, ein Hinweis darauf, dass die Strömungsgeschwindigkeit der Flüsse zurückging. Dies ist auf eine Kippung unseres Gebietes nach Ostnordost zurückzuführen. Mit fortschreitender Kippung ging schließlich vor etwa 6,5 Millionen Jahren in unserem Raum die Schüttung von Material aus den Alpen zu Ende. Es kam zur Umkehr der Entwässerungsrichtung nach Osten bis Norden.

Das Gebiet der heutigen mittleren Paar entwässerte in Richtung des heutigen Kelheim zur Urdonau, die vor etwa 6 Millionen Jahren auf der Fränkischen Alb entstand und das Altmühltal schuf. Durch ein Einsinken der Erdkruste entstand das Ingolstädter Becken. Dadurch versteilte sich auch das Gefälle der Richtung Urdonau fließenden Paar und sie legte ihr Quellgebiet immer weiter nach Südwesten zurück, bis es zur Anzapfung der Friedberger Ach kam. Ebenfalls durch Anzapfung wurde die Donau vor etwa 125 000 Jahren in ihr heutiges Tal umgelenkt, so dass die Paar nunmehr vor der Weltenburger Enge in die Donau mündet. Im Donautal versinken die tertiären Ablagerungen unter Schottern aus dem Eiszeitalter und der Nacheiszeit. Bis oberhalb Schrobenhausens ist das Paartaal noch durch das wärmere Klima des Ingolstädter Beckens beeinflusst, neben schluffig-sandigen Böden eine weitere wichtige Voraussetzung für den Spargelanbau.


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