Bauplanung und Gestaltung - Umfeld- und Detailgestaltung

Da sich die Bebauung möglichst in das Ortsbild und die Landschaftsstruktur reibungslos einfügen sollte, muss häufig zur Landschaft hin eine Puffer- oder Übergangszone geschaffen werden. Das lässt sich unter anderem durch eine enge Verzahnung von Bau- und gestalteten Freiflächen erreichen.


Bei kleinen Siedlungen, vor allem dort, wo das Relief keine natürlichen Begrenzungen bietet, kann mit einer ortstypischen Randeingrünung (z.B. Streuobstwiesen oder Heckensäume) ein halbwegs weicher Übergang zur Landschaft angelegt werden.

 

Im Bereich größerer Siedlungen, vor allem in Verdichtungsräumen, sind ökologisch wertvolle Flächen notwendig. Sie vermitteln nicht nur Naturerfahrung, sondern verbessern auch das Kleinklima im Wohnumfeld und tragen zur Erhaltung unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt bei.

 

Der Freiraum, der die Gebäude umgibt, soll nicht Restfläche oder Zwischenraum sein, sondern - wie auch der umbaute Raum - eigene räumliche Qualität besitzen. Diese wird ganz wesentlich durch die Anordnung und Gestaltung der Gebäude bestimmt. Die Stellung der Baukörper zueinander und deren Erschließung ist nicht nur für die Raumbildung eines Platzes, einer Straße oder eines Garten- und Hofraumes wichtig, sondern bestimmt ganz entscheidend, wie die Bewohner ihr Wohnumfeld erleben. Die schematische Anordnung entlang einer Straße hat ungegliederte und oft ungünstig nutzbare Außenräume zur Folge. Bessere Freiräume hingegen ergeben sich zum Beispiel durch Gruppierung mehrerer Häuser um einen gemeinsamen Erschließungshof: Die Gebäudestellung lässt unterschiedliche Freiräume mit Bereichen vor und hinter dem Haus entstehen, einerseits gemeinschaftlich und andererseits privat nutzbar.

 

Auch bei dichter Bebauung sind vielfältig gestaltete und nutzbare Freiräume möglich. Für die Nutzbarkeit wohnungsnaher Freiräume ist neben einer spannungsreichen Raumbildung vor allem eine auf den Naturraum wie auf den Menschen bezogene maßstäbliche Gestaltung wesentliche Voraussetzung. Das gilt sowohl für freistehende Einfamilienhäuser als auch für Reihenhäuser. So können zum Beispiel Durchgänge, Durchblicke oder ein Versetzen der Baufluchten auch bei dichter Bebauung optisch reizvolle Freiräume ergeben.

 

Eine gute Voraussetzung für einen vielfältigen Gebrauch der privaten Freiräume am Haus oder an der Wohnung sind möglichst durchlässig gestaltete Übergangszonen die zwischen überdachtem und umbautem Innenraum sowie dem offenen Außenraum vermitteln.

 

Sind Übergangsbereiche nicht einladend oder auf ein Minimum zusammengedrängt, zum Beispiel die bloße Breite einer Türschwelle, wird Wohnen meist auf den Innenraum beschränkt bleiben. Transparent und durchlässig gestaltete Übergänge zwischen Haus und Freiraum sind die besten räumlichen Voraussetzungen für das Wohnen drinnen und draußen.

 

Der Hausvorbereich ist ein täglich erlebter und benützter Teil des Wohnumfeldes. Er dient sowohl der Erschließung wie auch als Aufenthalts- und Kontaktbereich zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Je nach Anordnung und Gestaltung bieten Hausvorbereiche Platz für unterschiedliche Nutzungen:

  • Unterstell- und Abstellmöglichkeiten;
  • Raum zum Wirtschaften, Werken und Reparieren;
  • Gelegenheit zum Aufenthalt und Spiel;
  • Möglichkeiten zur gärtnerischen Betätigung.

 

Gut gestaltete Hausvorbereiche vermitteln bereits vor der Haustüre das Gefühl, "zu Hause" zu sein. Sie leiten über zur Privatsphäre, erleichtern und fördern zugleich die Kontakte mit der Umgebung. Bei hoher Bebauungsdichte oder an stark befahrenen Straßen wird jedoch eine besonders gute Abschirmung durch bauliche Maßnahmen oder Pflanzen erforderlich, wenn der Aufenthaltswert dort gewahrt bleiben soll.

 

Die Möglichkeiten und Mittel für eine wirksame Zonierung sind vielfältig. Dies wird zum Beispiel erreicht über Abstand durch einen offenen Vorgarten, Gliederung durch Hecken oder Bäume, Ausbildung eines geschützten Vorplatzes, Bau einer Pergola oder eines Schutzdaches. Möglich sind auch die Ausbildung von Gebäudenischen, die Anlage von Glasvorbauten, die Verwendung sorgfältig ausgewählter Beläge oder der Bau von Spalieren und Zäunen. Sind Stufen unvermeidbar; sollen zusätzlich auch Rampen für Behinderte oder Kinderwagen angelegt werden. Je geringer die Tiefe des Hausvorbereiches ist, um so deutlicher sollte die Zonierung ausgeprägt sein. Schmale, gut zonierte Bereiche werden daher den Anforderungen besser gerecht als weites, eintöniges Abstandsgrün. Den Raum unmittelbar vor der eigenen Wohnungstüre können gemeinsame Freiräume ergänzen, zum Beispiel ein erweiterter Hausflur oder ein gemeinsamer Erschließungshof. Hier kann all das stattfinden, wozu im privaten Bereich zu wenig Platz und der öffentliche Raum zu anonym ist.

 

Um Störungen durch den Kraftfahrzeugverkehr gering zu halten, werden mehr und mehr Straßen in Wohnquartieren verkehrsberuhigt aus- oder umgebaut. Damit wird es möglich, gegenüberliegende und benachbarte Hausvorbereiche so zu gestalten, dass ein gemeinsamer begrünter Raum entsteht. Wohnstraßen können dadurch im Idealfall wieder zu gemeinsamen Freiräumen für die Anwohner werden. Um den Fahrverkehr zu beruhigen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:

  • verkehrslenkende und straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen, zum Beispiel Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Fernhalten des Durchgangsverkehrs;
  • bauliche Maßnahmen im Straßenbereich, zum Beispiel Aufpflasterungen, Engstellen und Versätze mit Straßenbegleitgrün;
  • die Anlage von Garagenhöfen, Sammelparkplätzen oder Tiefgaragen.

 

Besondere Bedeutung kommt dem Gemeinschaftsgrün dort zu, wo gemeinschaftlich nutzbare Freiräume fehlen, etwa in stadtkernnahen Wohngebieten oder Geschosswohnungssiedlungen am Stadtrand, oder wo ausschließlich privates Grün vorhanden ist, etwa in Einfamilienhausgebieten oder parzellierten Innenhöfen.

 

Gemeinschaftsgrün soll Raum für all diejenigen Nutzungen bieten, die weder im privaten noch im öffentlichen Rahmen möglich sind. Bei bedarfsgerechter Anlage und Ausstattung kann es so zum "Garten für alle Nachbarn" werden. Gemeinschaftsgrün soll dementsprechend auch jene Qualitäten aufweisen, die man von einem Garten erwartet: Geborgenheit, Übersichtlichkeit und zugleich Offenheit gegenüber individuellen Nutzungen und Veränderungen.

 

Gemeinschaftsgrün ergänzt das Angebot der privaten Freiräume und soll überschaubaren Nachbarschaften zugeordnet sein. Gemeinschaftlich genutzt werden können in Einfamilienhausgebieten etwa Quartierplätze, Wohnstraßen und Wohnwege, Erschließungs- und Wohnhöfe sowie Freiräume zwischen den einzelnen Privatgärten.

Auch die Begrünung von Fassaden und Dächern hat wieder an Bedeutung gewonnen. Dadurch wird neuer Lebensraum für Tier und Pflanze geschaffen und Natur selbst in heute oft versteinerte Bereiche zurückgebracht.

Fassadengrün trägt zur Verbesserung des Wohnumfeldes bei. Ist die Wand bautechnisch einwandfrei, sind bei Verwendung geeigneter Pflanzen Bauschäden ausgeschlossen. Fassadengrün läßt sich auf vielfache Weise anlegen:

  • Selbstkletternde Pflanzen wachsen ohne Kletterhilfe an fast jeder Fassade;
  • Schling- und Kletterpflanzen brauchen immer bauliche Kletterhilfen, etwa Spaliere;
  • Obstspaliere benötigen überdies gärtnerisches Wissen und sorgfältige Pflege.

 

Die Häuser selbst sollten unbedingt so gebaut werden, daß sie deutlich den Eindruck erwecken, die Verbindung zum Boden nicht zu verlieren und aus diesem Boden zu erwachsen. Der Keller bleibt also im Boden, wo er hingehört und in der Fassade wird nur ein minimaler oder besser gar kein Sockel ausgebildet. Ein Haus mit einem zu hohen Sockel ohne Verbindung mit der umgebenden Natur wirkt deutlich aufgebockt und damit schlecht.

Bei starker Geländeneigung ist eine Anordnung des Hauses längs zum Hang, also parallel zu den Höhenschichtlinien zu bevorzugen, damit nicht die ohnedies höhere Giebelseite zu wuchtig in die Landschaft hinaus wirkt.

Die Höhenunterschiede im Garten können geschickt ausgenutzt werden, indem Zu- und Ausgänge zum Garten auf verschiedenen Ebenen möglich sind. Damit lassen sich auch private und öffentliche Sphären gut differenzieren. Stützmauern und Sockel oder Abgrabungen und Aufschüttungen hingegen wirken sich besonders störend aus, während blühende Rabatten selten besser zur Geltung kommen, als an den natürlichen Böschungen eines Hanghauses.

 

Wo dennoch Stützmauern unvermeidlich sind sollten diese und die zugehörigen Treppen möglichst aus trocken geschichteten heimischem Natursteinen befestigt werden. Dabei können die Wege mit Jurasplitt so versickerungsfähig wie möglich und optisch sehr ansprechend gestaltet werden.

 

In den befahrenen Bereichen ist der gleiche Zweck über ein Rasenfugenpflaster zu erreichen. Aber Treppenstufen und Einfassungen im Garten lassen sich ebensogut mit salzdruckimprägnierten Holzblöcken verwirklichen und welches Material wäre schon landschaftsgerechter als das in Bayern überall heimische Holz.

 

Dies gilt vor allem für Einfriedungen, sofern man nicht besser ganz darauf verzichten kann. Hier ist im ländlichen Bereich der sockellose Staketenzaun mit seinen schlanken senkrechten Holzlatten altbewährt und in seinem Wert für die Harmonie aus Landschaft und Ortsbild unübertroffen. Zaun, Gartentüre bzw. Tore sollten aus einheitlichem Material gefertigt sein.

 

Durch die staatliche und kommunale Förderung von Solaranlagen werden häufig nachträglich gut gestaltete Häuser so verändert, dass ganze Dächer ihren ursprünglichen Charakter verlieren. Obwohl die meisten Solaranlagen (Warmwasserkollektoren und Photovoltaikanlagen), wenn sie in der Fassade oder im Dach liegend angeordnet werden, genehmigungsfrei errichtet werden können, kann doch im Einzelfall eine gravierende Veränderung des Daches genehmigungspflichtig sein. Es ist stets ratsam, sich zunächst bei der Gemeindeverwaltung darüber zu informieren, ob es nicht im Bebauungsplan oder in einer Gestaltungssatzung bereits Vorschriften für die Dimensionierung und Anordnung gibt und bei großflächigen Vorhaben sollte grundsätzlich vorher auf das Beratungsangebot des Kreisbauamtes zurückgegriffen werden, damit Verunstaltungen vermieden werden.

 

Bei Neuplanungen gilt selbstverständlich dasselbe Angebot und das Kreisbauamt verfügt auch über umfangreiches Vergleichsmaterial und kann dem Bauherren bei bestehenden Häusern durch eine Computersimulation rasch zeigen, wie sich z.B. das Dach in seiner optischen Wirkung verändert. Oft bieten sich auch ganz andere Bereiche für das Anbringen von Solaranlagen an, die in geschickter Weise noch zusätzliche Vorteile verbinden ohne das Dach zu beeinträchtigen, wie aus dem folgenden Bild ersichtlich ist.

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