Bauplanung und Gestaltung - Regionaler Baustil

Baustile in Oberbayern

Solche Gestaltungssatzungen sind in der Regel bemüht, die neue Bebauung möglichst harmonisch in die vorhandene kulturelle Umgebung ein- oder zu ihr hinzuzufügen. Hier sind vor allem die traditionellen heimischen Stilelemente von Bedeutung. Jede Region hat über Jahrtausende Ihr eigenes Gesicht durch Ihren eigenen Baustil entwickelt. Dabei ist dieser Stil maßgeblich aus den in dieser Region vorkommenden natürlichen Materialien geprägt, die für das Bauen geeignet waren.

 

Man denke nur an steile (ursprüngliche) Riedgrasdächer auf Lehmfachwerkbauten im fränkischen Raum im Gegensatz zu flachen Kalkschieferdächern und Bruchsteinhäusern im südlichen Jurabereich. Ähnlich unterscheiden sich die Bauweisen im nördlichen Oberbayern vom Baustil im alpinen Bereich, wo das Bauen vom Waldreichtum an geradlinig gewachsenen Nadelgehölzen beeinflusst wurde und flache Holzschindeldächer mit entsprechender Schneeauflage den geeignetsten Schutz vor dem kalten Klima bildeten.

 

In den Zwischenbereichen finden sich naturgemäß Regionen, in denen diese stark unterschiedlichen Baustile aufeinandertreffen bzw. ineinander übergehen. So wird auch unser Landkreis von mehreren Stilen tangiert und teilweise durchmischt. Dennoch dominiert im ländlichen Bereich eine relativ klare Bauweise, für die allein schon ganz wenige Elemente für das charakteristische Gesamtbild ausschlaggebend sind, wie z.B. die langgestreckte meist erdgeschossige Bauform mit dem steilen symmetrische Satteldach und knappen Dachüberständen und als Material der hell verputzten Mauerwerkskörper mit regelmäßig angeordneten kleinen Fensteröffnungen und mit naturroter Tonziegeldeckung, wobei die Nebengebäude vorwiegend als senkrecht verbretterte Holzkonstruktion errichtet sind.

 

Beispiel des heimischen BaustilsUm nun den entsprechenden Einklang zu erreichen, ist es bei den Neuplanungen wichtig, darauf zu achten, dass die bewährten Grundelemente wieder aufgenommen werden und sich zeitgemäß schlicht interpretiert in die kulturelle Umgebung einfügen. Das Importieren völlig fremder Stilelemente aus bezugslosen Regionen, beispielsweise aus einem mediterranen Urlaubsort, hätte eine gravierende gestalterische Störung und Disharmonien zur Folge. Sicher haben sich im Laufe der Jahrhunderte auch einige der Grundmaterialien verändert, so dass wir heute beispielsweise nicht mehr auf Stroh- oder Schilfdächer in unserer Gegend stoßen, denn die wurden zunächst durch haltbarere Deckungen mit Biberschwanz- und später oft mit Falzziegeln ersetzt, aber im Grunde entspricht dies noch immer den natürlichen Gegebenheiten der heimatlichen Tonerdevorkommen in Südbayern und traditionell gebliebenen Steildachformen.

 

Zeitgemäße Interpretationen des heimischen Baustils

Wenn diese bewährten Elemente heute bei neuen Wohnhäusern wieder aufgenommen werden, entsteht dadurch ein sehr gutes Zusammenspiel im Nebeneinander von alt und neu, auch wenn heute die Dächer vermehrt für Wohnräume genutzt werden und infolge der Belichtungserfordernis über Dachgauben nicht mehr ganz so viel an Klarheit und Ruhe ausgestrahlt wird, wie dies bei den ursprünglichen dörflichen Dachlandschaften ohne Aufbauten und Einschnitte der Fall war. Geänderte funktionelle Anforderungen rechtfertigen hier aber auch eine neue Interpretation der Gestaltung.

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